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Das „Reisetagebuch“ als Instrument für familieninterne Platzierungen

In unseren Gesellschaften, in denen die elterliche Sorge eine strukturierende Norm ist, entspricht die Unterbringung in einer Pflegefamilie fast immer einem Schutzbedürfnis, das sich aus einer komplexen Situation des Pflegekindes ergibt. Als Schutzinstanz spielt das kantonale Amt für Kinder und Jugend (SEJ) eine wichtige Rolle bei der Begleitung der betroffenen Kinder: Es muss die Entwicklung ihrer Ressourcen gewährleisten und ihnen die Mittel an die Hand geben, um wieder Akteure ihrer eigenen Geschichte zu werden.
In diesem Zusammenhang bieten innerfamiliäre Unterbringungen oft die größte Kontinuität und werden daher bevorzugt, wenn es die Situation zulässt. Sie bringen jedoch eine zusätzliche Schwierigkeit mit sich, da die bisherigen Beziehungen zwischen den betroffenen Personen (Kind, leibliche Eltern und Pflegefamilie) von Vorurteilen geprägt sein können.
Die Neudefinition der Rollen und deren Akzeptanz durch alle Beteiligten ist daher eine wichtige Herausforderung. Das Ziel des Projekts „Reisetagebuch” ist es, den Kindern ein Instrument an die Hand zu geben, mit dem sie diese Ausgangsbedingungen in eine Ressource verwandeln können.
Konkret ist das Instrument als ein Behälter konzipiert, der während der gesamten Unterbringung gefüllt wird und sowohl Gegenstände, Fotos und andere Erinnerungsstücke als auch Darstellungen (Zeichnungen) oder Verbalisierungen (Texte) von Emotionen, Wünschen oder Zukunftsplänen enthalten kann. Symbolisch gesehen handelt es sich um einen echten Wegbegleiter, der auf einem von Veränderungen geprägten Weg Stabilität und Verlässlichkeit bietet.
Die Gestaltung des Instruments wird in Zusammenarbeit mit den betroffenen Personen und den Fachleuten des SEJ erfolgen. In Freiburg wird jedes Kind von einer Fachperson für Kinderschutz (IPE) betreut, die für den reibungslosen Ablauf der rechtlichen und administrativen Aspekte der Unterbringung sorgt. Das Instrument wird daher so konzipiert sein, dass es der Vielfalt komplexer Situationen gerecht wird und zu einem harmonisierten Verfahren führt, in dem alle Beteiligten schrittweise geschult werden.
Der Kanton Freiburg wird einen Leitfaden erstellen, in dem das Instrument und das Verfahren detailliert beschrieben werden, und ihn übersetzen lassen, um ihn an andere Kantone weiterzugeben. Diese Verbreitung wird durch die engen Kontakte des SEJ und seiner Projektpartner – nämlich der Hochschule für Sozialarbeit (HETS-FR) und des Observatoire latin de l’enfance et de la jeunesse (OLEJ) – zu zahlreichen anderen staatlichen Stellen und Verbänden erleichtert.