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Being a parent

Herkunftseltern werden in der Fachliteratur weitgehend aus Perspektive von Pflegeeltern und Fachpersonen und mit einem problematisierenden Ansatz beleuchtet. Die wenigen Studien, welche individuelle Lebenslagen und subjektives Erleben zum Thema haben, beschreiben Scham, Schuld, Minderwertigkeit, Wut, Trauer und Angst als häufige Gefühle. Die Rolle der Herkunftseltern ist geprägt von Ambivalenzen (Nähe/Distanz, Wunsch/Realität, Selbstbestimmung/behördliche Intervention). Elterliches Handeln in diesem Kontext wird im Fachdiskurs mit Begriffen wie «distant parenthood», «parenting from afar», «mother yet not mother» und «Eltern im Wartezustand» benannt. Das Projekt umfasst vier aufeinander aufbauende Module (1. Erarbeitung von Evidenzbasis und Rahmung; 2. Ethnografischer Teil und Interviews; 3. Co-Creation Partizipationstool; 4. Schlussarbeiten und Diffusion). Abgestützt auf einer aktuellen Evidenzbasis, die im Projekt durch Fachliteratur, Interviews mit Herkunftseltern, Care Leaver*innen, Fachpersonen und durch Feldforschung erarbeitet wird, bildet das sogenannte «Partizipationstool» das Herzstück des Projekts. Es wird gemeinsam mit Herkunftseltern und einer Service-Designerin entwickelt und Herkunftseltern, Pflegekindern, Pflegeeltern und Fachpersonen niederschwellig zur Verfügung gestellt. Das Ziel des Tools ist es, Herkunftseltern in ihrem Elternsein zu unterstützen und dabei das Kindeswohl und den Kindeswillen als die Referenzpunkte im Fokus zu haben. Es greift zentrale Themen dieser herausforderungsreichen Elternrolle auf (z.B. elterliche Identitätsbildung und elterliches Handeln im Kontext eingeschränkter Erziehungsverantwortung, Gestaltungsmöglichkeiten elterliche Präsenz trotz physischer Distanz, kulturelle und biografische Weitergabe zwischen Eltern und Kindern, Förderung von Bindung und Beziehungskontinuität, Formen der Vergemeinschaftung von Herkunftseltern). Diese Themen werden im Dialog mit den Herkunftseltern abgeglichen und in alltagsnahe Fragestellungen übersetzt.

Der Entwicklungsprozess folgt einem strukturierten Design Research-Ansatz mit partizipativen Methoden. Berücksichtigt wird zudem, ob und wie das Tool mit der «Memorybox», dem ebenfalls von der Palatin Stiftung finanzierten biografischen Dokumentationstool für Kinder und Jugendliche verschränkt werden kann.

Das Projekt findet an der Schnittstelle von Praxis (DAF), Forschung (Hochschule) und Design (Swiss Center for Design and Health) statt.